Talentkompass NRW

Der TalentKompass NRW unterstützt Menschen bei der beruflichen Orientierung und Entwicklung. Mit diesem Instrument können die eigenen Kompetenzen, ob in der Ausbildung, im Beruf oder im Privatleben erworben, erfasst werden.

Der TalentKompass NRW führt in klaren Schritten von der eigenen Kompetenzfeststellung bis hin zum konkreten Plan, wie sich die beruflichen Ziele erreichen lassen.

Herausgeber ist das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Dort kann er auch kostenlos heruntergeladen werden.

Geeignet ist der TalentKompass für alle Qualifikationsstufen sowie für Menschen in den unterschiedlichsten Phasen ihrer beruflichen Entwicklung: Für Schülerinnen und Schüler, die sich auf die Arbeitswelt vorbereiten, für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, für Arbeitslose und für Beschäftigte, die nach neuen beruflichen Perspektiven Ausblick halten.

Das Grundkonzept des TalentKompass NRW beruht auf dem von Richard N. Bolles entwickelten Berufs- und Lebensplanungsverfahren, dem Life/Work Planning (L/WP). Das Verfahren ist eine unkonventionelle Methode der Arbeitssuche und verhilft auf neuen Wegen Arbeitsuchenden zu einem neuen Job.

In diesem Verfahren steht die suchende Person mit ihren vielfältigen Kompetenzen und ihrer Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt. Das Verfahren ist praxisbezogen, handlungsorientiert, klar strukturiert und systematisch.

Ausgehend von den persönlichen Werten und Interessen der Ratsuchenden entfaltet der systemische Ansatz das ganze Potenzial einer Person. Der TalentKompass NRW eignet sich zum Einsatz in der Einzelberatung und für die Arbeit mit Gruppen.

Es wird empfohlen, den TalentKompass NRW nicht allein, sondern im Rahmen eines Beratungsprozesses oder eines Gruppenkurses zu bearbeiten. In einer Gruppe steht die Erarbeitung zusätzlicher Ideen und Informationen in einer wohlwollenden, wertschätzenden Atmosphäre mit anderen im Vordergrund. Allein die Zusammenarbeit und dabei von anderen positiv reflektiert zu werden, ist ein Erfolgserlebnis. Der Blick von außen, nicht im Sinne eines „Ich weiß es besser als du“, sondern „Mir ist noch zusätzlich etwas eingefallen“, erweitert das Spektrum, stärkt Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Zuversicht und vor allem die Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Selbstwirksamkeitsüberzeugung aktiviert und motiviert, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, Rückschläge wegzustecken und dranzubleiben, weil man an den Erfolg glaubt.

Konsequent ressourcenorientiert lädt der TalentKomppass NRW zu einer „Reise“ ein, den wahren eigenen Fähigkeiten auf den Grund zu kommen und die schlummernden Potenziale zu entdecken und sich den inneren Werten bewusst zu werden. In diesem Zusammenhang lassen sich passende berufliche Tätigkeitsfelder finden oder kreieren.

Die konsequente Ausrichtung auf die vorhandenen Ressourcen bietet im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren der Laufbahnberatung zwei entscheidende Vorteile:

  • die Würdigung der vorhandenen Ressourcen stärkt das Selbstwertgefühl und erhöht die Eigeninitiative der Ratsuchenden,
  • die Orientierung an den individuellen Werten und Interessen eröffnet neue Tätigkeitsfelder und erschließt den verdeckten Arbeitsmarkt.

Am Ende des Prozesses stehen klare Handlungsempfehlungen, mit denen sich berufliche Veränderung im „echten Leben“ ganz konkret in die Tat umsetzen können.

Chancen und Grenzen des Talentkompass NRW

Für alle, die ein echtes Interesse an der persönlichen Selbsterforschung haben und die echte berufliche Perspektiven anstreben, für die ist der Talentkompass ein „wirklicher Bringer“, da er ein Prozess initiiert, der einen „weiterbringt“.

Wer jedoch an der Erforschung seiner selbst überhaupt kein Interesse hat und diesbezüglich absolut keine Offenheit zeigt, für den ist das Instrument nur bedingt geeignet. Der Talentkompass kann zwar in solchen Fällen dazu beitragen, dass mehr Interesse und Offentheit für eine Selbsterforschung angeregt wird, die Ergebnisse für die berufliche Orientierung werden aber weniger deutlich oder stark sein. Wer damit leben kann, sollte den Talentkompass einmal ausprobieren.

Wer sehr viele Belastungen und „Baustellen“ in seinem privaten und beruflichen Umfeld hat, für den ist das Instrument TalentKompass NRW ebenfalls nur bedingt geeignet, da einem die Methode doch eine gewisse Zeit für Reflektion und sogenannte „Hausaufgaben“ abverlangt. Dafür müsste ein konsequentes Zeitmanagement sorgen. Wer das nicht kann oder nicht will, sollte die Finger von dieser Methode lassen. Andererseits verspricht das Instrument einem sehr viele Vorteile, für die es sich lohnt, für eine gewisse Zeitspanne (3 – 6 Wochen) sich auf sich selbst und seinen beruflichen Zielsetzungen zu konzentrieren.

Der Talentkompass berührt die Kulturunterschiede und -kreise in Europa und der Welt in ganz besonderer Weise: Menschen, die lange in dequalifizierenden Lebenszusammenhängen gelebt und gearbeitet haben, können kaum mehr wahrnehmen und beschreiben, welche Ressourcen sie besitzen. In diesem Falle können in Einzelberatungen entsprechende individuelle Lösungen gefunden werden, wenn die grundlegende Motivation der Teilnehmerin / des Teilnehmers vorhanden ist.

Für Menschen, die keine oder nur sehr ungenügend deutsche Sprachkenntnisse bzw. –kompetenzen besitzen ist der Talentkompass dann eine sinnvolle Methode, wenn ein(e) Simultan-Dolmetscher(in) im Beratungsprozess bzw. in Einzhelberatungsterminen oder in Kurstreffen anwesend ist und in einer bestimmten Art und Weise den Dialog unterstützt. Idealerweise besitzt der (die) Dolemtscher(in) selbst eine Ausbildung zur Anwendung des Talentkompasses, denn nur eine alleinige Übersetzung in eine andere Sprache reicht häufig nicht aus, damit die wünschenswerten Reflektionen bei den teilnehmenden Damen und Herren erreicht werden. Grundsätzlich hat der Talentkompass eine sehr positive Auswirkung für den Integrationsprozess im Staat, in der Familie oder in einem Unternehmen. Die Eignung eines Dolmetschers für diesen besonderen dialogischen Prozess, müsste aber immer vorher festgestellt bzw. sichergestellt werden.