Abgrenzung der Formate

Obwohl Ihnen vielleicht die Hintergründe der Beratungsformate und die damit im Zusammenhang stehenden Abgrenzungen und Rahmenbedingungen auf den ersten Blick als etwas „akademisch“ erscheinen mögen, werden die Unterschiede jedoch mit der Durchführung und im Erleben der Prozesse sehr deutlich.

Coaching ist keine Psychotherapie

Im Gegensatz zur Psychotherapie, richtet sich Coaching an „gesunde“ Personen und widmet sich vorwiegend den Problemen, die aus der Berufsrolle heraus entstehen. Psychische Erkrankungen, Abhängigkeitserkrankungen oder andere Beeinträchtigungen der Selbststeuerungsfähigkeit gehören in das Aufgabenfeld entsprechend ausgebildeter Psychotherapeuten, Ärzte und medizinischer Einrichtungen.

Coaching ist keine psychologische Beratung und umgekehrt

Psychologische Beratung ist im Wesentlichen eine Lösungen suchende, klärende und unterstützende Interventionsform, die sich vorwiegend sprachlicher Ausdrucksmittel (Interaktion und Kooperation) bedient. Im Zentrum steht also das psychologische Gespräch. Wenn die psychologische Beratung mit einen sog. „klintenzentrierten Ansatz“ durchgeführt wird, kann sie einem Coaching vom Charakter her ähneln, insbesondere wenn es bei der Beratung von Führungskräften um Konfliktmanagement und Krisenintervention geht.

Coaching ist keine Fach- oder Expertenberatung und umgekehrt

Coaching kann keine Fachberatung (z.B. HR-Beratung, PE-/OE-Beratung, Unternehmensberatung, Rechtsberatung, IT-Beratung usw.) ersetzen. Bei einer Fach- oder Expertenberatung steht der Input, d.h. die Wissens- oder Kenntnisvermittlung, die Formulierung von Lösungsvorschlägen oder Verhaltensweisen als Dienstleistung im Mittelpunkt. Hierbei können auch Aufgaben oder Tätigkeitsbereiche für den Mandanten übernommen werden (z.B. die Durchführung einer Potentialanalyse für eine Abteilung).

Für prozessorientierte Fragestellungen und Aspekte hinsichtlich persönlicher Entwicklungen und Bewältigungsstrategien jedoch ist der Coach gefordert. Damit können die Blickwinkel im Rahmen der Fachberatung ergänzt werden. Hierbei steht die Interaktion und die Kommunikation auf Augenhöhe im Mittelpunkt. Umgekehrt können im Coaching-Prozess Einheiten aus der Fachberatung ergänzt werden.

Coaching ist kein Training

Das klassische Training dient oft dem gezielten Aufbau bestimmter Verhaltensweisen, d.h. es steht meist das Erlernen eines „idealen“ Ablaufmusters im Vorder-grund. Die individuellen Bedürfnisse des Klienten sind dabei zwar maßgeblich, aber den Schwerpunkt bilden die Trainingsinhalte (z.B. bei Verkauftrainings die Optimierung eines Abschlussverhaltens). Ein Training kann als Maßnahme im Coaching-Prozess integriert werden, z.B. um Verhaltensdefizite zu korrigieren. Das Coaching bietet dann den Anlass und den Rahmen, spezielle Fertigkeiten aufzubauen bzw. zu verbessern. Trainingsmaßnahmen können aber auch von Coaching-Maßnahmen begleitet werden, oder diese finden im Anschluss statt. So kann beispielsweise ein Trainingstransfer (das Umsetzen des eintrainierten Verhaltens in die Praxis) mit Coaching-Einheiten begleitet werden.

Coaching ist kein Mentoring

Mentoring meint die „Patenschaft“ zwischen einem jungen bzw. neu zu einer Organisation hinzugekommenen Mitarbeiter und einer erfahrenen Führungskraft. Aufgabe des Mentors ist die Vermittlung organisationsspezifischen Wissens, die Bindung an die Organisation und teilweise auch eine karrierebezogene Beratung. Mentoring zielt darauf ab, High Potentials zu fördern, Fluktuationskosten zu reduzieren und Konflikte bei der Integration neuer Mitarbeiter zu vermeiden. Coaching kann somit eine zusätzliche Komponente im Rahmen einer Mentoring-Beziehung darstellen.

Coaching und Supervision

Kommt die Supervision eher aus dem Sozial- und Nonprofitbereich, siedelt sich Coaching mehr im Profitbereich der Wirtschaft an und hat dort auch spezifische Erfahrungen sammeln können. Supervision wird demnach mit der Veränderung einer Organisation „von unten“ in Verbindung gebracht. Coaching hingegen wird mit der Veränderung, die „von oben“ kommt, als ein Instrument der Personalentwicklung mit der Zielrichtung, das Funktionieren eines Personalkörpers und weniger die Entwicklung menschlicher Potentiale zu fokussieren. Beide Beratungsformen sind personenorientiert. Das sog. „Setting“, in dem Coachung und Supervision stattfinden, kann sehr ähnlich sein und für beide Beratungsformate gibt es keine festen Standards zur Vorgehensweise. Beide unterscheiden sich von der Fach- und Expertenberatung. Ganz deutlich differenzieren sich beide Formate von an Krankheitsbildern orientierten Therapieformen wie beispielsweise die Psychotherapie.