Über Coaching

Da der Coaching-Begriff nicht geschützt ist, lehne ich mich in meinem Selbstverständnis als Coach an folgende Definitionen an:

„ … Inhaltlich ist Coaching eine Kombination aus individueller Unterstützung zur Bewältigung verschiedener Anliegen und persönlicher Beratung. In einer solchen Beratung wird der Klient angeregt, eigene Lösungen zu entwickeln … Ein grundsätzliches Merkmal des professionellen Coachings ist die Förderung der Selbstreflexion und -wahrnehmung und die selbstgesteuerte Erweiterung bzw. Verbesserung der Möglichkeiten des Klienten bzgl. Wahrnehmung, Erleben und Verhalten …“ (Deutscher Berufsverband Coaching e.V. (DBVC)).

“Coaching setzt das Potential eines Menschen frei, seine eigene Leistung zu optimieren. Es hilft ihm eher zu lernen, als dass es ihn etwas lehrt!“ (John Whitmore, International Coach Federation (ICF))

„Coaching ist eine intensive und systematische Förderung der Reflexionen und Selbstreflexionen sowie Beratung von Personen oder Gruppen zur Verbesserung der Erreichung selbstkongruenter Ziele oder zur bewussten Selbstveränderung und Selbstentwicklung.“ (Prof. Dr. Siegfried Greif)

Die zehn Wesensmerkmale von Coaching

Coaching kann als „spezielles Beratungsformat“ meist in beruflichen Kontexten betrachtet werden. Die Tatsache, dass der Begriff „Coaching“ aus dem Sport kommt, gibt keinen Hin-weis auf dieses Format. Die Kriterien, die ich für die Praxis als besonders bedeutsam halte, werden im Folgenden heraus gestellt. Diese gehen über die konstitutiven Wesensmerkmale, wie sie in der der einschlägigen Literatur beschrieben sind, zum Teil hinaus.

1. Freiwilligkeit

Coaching findet auf der Basis einer freiwillig gewünschten Beratungsbeziehung statt, d. h. der Coaching-Nehmer (= Klient), geht das Coaching aus freiem Willen ein. Er möchte ein Coaching.

2. Diskretion

Coaching sichert einem Klienten Diskretion in einem geschützten Raum zu. Ein Klient muss sich mit seinem Anliegen in einem geschützten Raum aufgehoben und sicher fühlen können. Er darf und kann hier Dinge nennen, die den Raum nicht verlassen, andererseits schützt der Raum ihn vor äußeren Einflüssen und Erwartungshaltungen soweit wie es geht.

3. Tragfähige Beziehung

Coaching basiert auf einer tragfähigen und durch gegenseitige Akzeptanz und gegenseitiges Vertrauen gekennzeichneten Beziehung. Eine solche Beziehung ist in der Lage auch schwer-wiegende oder tiefer gehende Themen und Problemstellungen aufzufangen und zu tragen.

4. Ergebnisoptimierung

Diese wird durch Verbesserung der Selbstführungsfähigkeit angestrebt, d. h. die Verbesserung des Umgangs mit den vorliegenden eigenen Ressourcen bestehend aus  Wissen, Können, Wollen, Handlungskompetenz. Die Frage hier ist, wie kann ich mein eigenes Wissen, meine eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten aktivieren oder freilegen? Eine verbesserte Selbstkompetenz ist die wichtigste Grundlage für eine Verbesserung einerseits der Fach- und Methodenkompetenz (d. h. des Umgangs mit sachlichen Aufgaben) und andererseits der Sozial- und Führungskompetenz (d. h. des Umgangs mit Menschen).

5. Beratung auf der Prozessebene:

Coaching betont die individuelle Beratung auf der Prozessebene, d.h. der Coach liefert wenn möglich, keine direkten Lösungsvorschläge, sondern begleitet den Klienten und regt dabei an, wie eigene Lösungen entwickelt werden können. Als Prozessberater ist der Coach Exper-te für Entwicklungsprozesse und unterstützt den Klienten dabei, seine eigenen Lösungen zu finden. Somit ist er Auslöser und Begleiter gewollter Entwicklungen.

6. Die Verantwortung bleibt beim Klienten

Coaching nimmt dem Klienten keine Arbeit ab und es wird auch keine Verantwortung auf den Coach übertragen. Die eigene Verantwortung des Klienten wird gestärkt, ggf. entwickelt. Der Coach muss bereits bei der Ziel- und Auftragsklärung darauf achten, dass dieses wichtige Grundprinzip verfolgt wird.

7. Beachtung der individuellen Voraussetzungen

Coaching setzt an den individuellen Ressourcen, Voraussetzungen und Bedürfnissen des Klienten an. Für Personen mit psychischen Einschränkungen oder Krankheiten ist Coaching nicht geeignet.

8. Selbstreflektion und Selbstwahrnehmung

Coaching zielt auf eine (auch präventive) Förderung von Selbstreflexion und –wahrnehmung. Die Selbstwahrnehmung des Klienten soll gefördert werden, d.h. sog. blinde Flecken werden abgebaut.

9. Neue Blickwinkel werden eröffnet

Coaching hilft dabei, neue Gesichtspunkte oder Blickwinkel zu erkennen und in der Folge ergeben sich daraus auch neue (Re-)Konstruktionen über Wirklichkeiten und Handlungsmöglichkeiten, die vorher nicht gesehen wurden.

10. Transparente Interventionen

Coaching arbeitet mit transparenten Interventionen und erlaubt keine manipulativen Techniken, da ein derartiges Vorgehen der Förderung von Bewusstsein prinzipiell entgegenstehen würde.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Coaching ist eine Kombination aus individueller Unterstützung zur Bewältigung verschiedener Anliegen und persönlicher Beratung. In einer solchen Beratung wird der Klient angeregt, eigene Lösungen zu entwickeln, Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung zu verbessern, seine Möglichkeiten hinsichtlich Wahrnehmung, Erleben und Verhalten selbst gesteuert zu erweitern.

Die möglichen Coaching-Varianten sind nach Anlehnung an den DBCV: Einzel-Coaching, Gruppen-Coaching, Organisationsinternes Coaching, Vorgesetzten-Coaching, Konflikt-Coaching, Interkulturelles Coaching, Kurz-Coaching, Strategie-Coaching, Entwicklungsorientiertes Coaching.

 Zehn Wesensmerkmale von Coaching

Ergänzende und weitere Informationen (von Christopher Rauen)